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Winterzeit ... Infarktzeit?

Herzinfarkte entstehen durch den Verschluss eines atherosklerotisch vorgeschädigten Herzkranzgefäßes. Die Hauptrisikofaktoren für Atherosklerose sind weitreichend bekannt und umfassen vor allem Adipositas, arterielle Hypertonie, erhöhte Cholesterinspiegel, Rauchen und Bewegungsmangel.  In Hinblick auf die statistische Wahrscheinlichkeit einen Herzinfarkt zu erleiden, zeigen sich deutliche saisonale Unterschiede und eine Häufung in den Herbst- und Wintermonaten. Vor allem die Kombination aus niedrigen Temperaturen und körperlicher Anstrengung scheint einen wichtigen Triggerfaktor für koronare Ereignisse darzustellen. Eine kanadische Studie ergab, dass die Hospitalisations- und Sterberate aufgrund von Herzinfarkten an Tagen mit stärkerem Schneefall signifikant anstieg, und brachte sie mit der körperlichen Belastung beim Schneeschippen in Verbindung.  Der Anstieg der Fallzahlen betraf zwar nur Männer jedoch schlussfolgernden die Macher der Studie, dass das Schneeräumen eine überwiegend männliche Aufgabe ist.

Vorangegangene Studien konnten bereits einige Mechanismen aufdecken, die zu dem gesteigerten Herzinfarktrisiko im Herbst und Winter beitragen. Durch Kälteeinwirkung kommt es zu einer raschen Konstriktion peripherer Gefäße, wodurch die Belastung auf das Herz steigt. Darüber hinaus senkt das Einatmen kalter Luft in Verbindung mit körperlicher Arbeit den koronaren Blutfluss und kann so die Sauerstoffversorgung des Herzens beeinträchtigen. Besondere ältere Menschen scheinen dabei mit einer stärkeren Abnahme der Herzdurchblutung zu reagieren. Kälte kann zudem durch eine reflektorische Sympathikusaktivierung das Auftreten von Herzrhythmusstörungen begünstigen. Auch hohe körperliche Belastungen können einen Herzinfarkt auslösen.

Die kanadische Studie zeigte beispielsweise, dass die Herzfrequenz während des Schneeschippens auf bis zu 75 % der maximalen Herzfrequenz anstieg und somit eine starke Belastung für den Körper darstellte. Zu den potenziellen Auslösern eines Herzinfarktes kann auch eine Grippeinfektion zählen. Der genaue Pathomechanismus ist zwar noch unbekannt, jedoch stehen temporäre Veränderungen der Blutgerinnung im Verdacht das Infarktrisiko zu steigern. Beobachtungen der University of New South Wales in Australien zwischen 2008 und 2010 zufolge, konnte bei jedem achten Herzinfarktpatienten eine Infektion mit dem Grippevirus nachgewiesen werden. Somit waren sie doppelt so häufig betroffen wie Probanden aus der Kontrollgruppe. Gleichzeitig zeigte die Studie einen protektiven Effekt der Grippeschutzimpfung auf das Infarktrisiko und bezifferte die Risikoreduktion auf circa 45 %.

Aufgrund des gesteigerten Risikos für kardiovaskuläre Vorfälle im Herbst und Winter sollten vor allem Risikopatienten und Menschen mit einer vorbestehenden Herzerkrankung Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Dazu gehört vor allem die Meidung intensiver physischer Aktivität im Freien. Älteren Menschen wird zudem zu einer Grippeschutzimpfung geraten. Sie schützt nicht nur vor schweren Komplikationen einer Grippeinfektion, sondern scheint auch das Herzinfarktrisiko positiv zu beeinflussen.

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