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Wie hoch darf mein Blutdruck sein?

Die arterielle Hypertonie gehört zu den häufigsten internistischen Erkrankungen. Der Weltgesundheitsorganisation WHO zufolge sind weltweit zwischen 35 % und 40 % der Gesamtbevölkerung betroffen. Die Ursachen für die Entstehung eines Bluthochdrucks können vielfältig sein. Insgesamt überwiegt jedoch die idiopathische Form, bei der keine kausale Ursache bekannt ist. Zu den Hauptrisikofaktoren gehört neben einem ungesunden Lebensstil vor allem steigendes Alter.

Auch wenn die Hypertonie weit verbreitet ist, bleiben viele Fälle lange Zeit unentdeckt und unbehandelt. Dies liegt vor allem an mangelnder Gesundheitsvorsorge und meist fehlender Symptome zu Beginn der Erkrankung. Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck birgt jedoch viele Gefahren. So schädigt er langfristig das Herz-Kreislauf-System und erhöhte das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle sowie Nieren- und Netzhautschäden. Die Definition der arteriellen Hypertonie unterliegt einem stetigen Wandel. Während früher die Regel 100 + Lebensalter als Obergrenze für den systolischen Blutdruck angenommen wurde, gilt sie nach aktuellem Wissensstand als schädlich und überholt. Gemäß der aktuellen Definition beginnt die Hypertonie ab einem systolischen Wert von mehr als 140 mmHg und einem diastolischen Blutdruck von über 90 mmHg. Im Gegensatz dazu gelten Werte unter 120/80 mmHg als optimal.

Aufgrund fehlender Evidenz in einigen Bereichen der Blutdrucktherapie und einem stetigen Wissenszuwachs wird ein permanenter Diskurs über Grenzwerte und Therapieziele geführt.Während eine im Jahr 2013 veröffentlichte US-amerikanische Leitlinie empfiehlt die Grenzwerte bei Personen ab dem 60. Lebensjahr auf 150/90 mmHg anzuheben, konnte eine weitere groß angelegte Studie zeigen, dass das Probandenkollektiv signifikant von einer Senkung des systolischen Blutdrucks auf Werte um 120 mmHg profitierte, auch, wenn dafür eine Mehrfachkombination von Wirkstoffen notwendig war.

Zwar können bestimmte Patientengruppen von einer stärkeren Blutdrucksenkung profitieren, jedoch halten führende Verbände und Organisationen an Werten von < 140/90 mmHg bis ins hohe Lebensalter fest. Bei älteren Patienten werden unter Berücksichtigung der körperlichen und geistigen Konstitution Werte zwischen 150 und 140 mmHg angestrebt. Eine stärkere Blutdrucksenkung scheint nach heutigem Kenntnisstand vor allem bei älteren Patienten kaum Vorteile in Bezug auf Morbidität und Mortalität zu bringen. Darüber hinaus kann sich ein zu niedrig eingestellter Blutdruck negativ auf sie auswirken.

Aufgrund mangelnder Frühsymptome empfiehlt es sich den Blutdruck regelmäßig zu kontrollieren. Es sollte auch in besonderem Maße beachtet werden, dass eine Hypertonie bereits bei Menschen jungen und mittleren Alters auftreten kann. Abklärungs- und Handlungsbedarf besteht, sobald die gemessenen Werte über 140/90 mmHg liegen. Beim Vorliegen einer leichten Hypertonie sollte vor Beginn einer medikamentösen Therapie eine Lebensstilumstellung in Erwägung gezogen werden. Unabhängig von Leitlinien sollten die Therapie und Zielwerte auf Konstitution, Lebensstil und Alter des Patienten zugeschnitten werden, um einen bestmöglichen Kompromiss aus medizinischer Notwendigkeit und individuellen Bedürfnissen zu finden.