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Gutes Gluten, böses Gluten

Seit geraumer Zeit gehört der Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel zu einem der wichtigsten Ernährungstrends und erfreut sich auch medial großen Interesses. Vielerorts sind glutenfreie Alternativen in Supermärkten und Restaurants Teil des Alltags. Allein im vergangenen Jahr stieg der weltweite Absatz glutenfreier Produkte um 12,6 % und konnte sein Gesamtvolumen seit 2011 verdoppeln.

Vor allem in den USA erfreut sich diese Diätform großer Popularität. Umfragen zufolge glaubt ein großer Teil der US-amerikanischen Bevölkerung, dass eine glutenfreie Diät gesundheitsförderlich ist und sich positiv auf ihre körperliche und geistige Verfassung auswirkt. Gleichzeitig verdreifachte sich im Zeitraum zwischen 2009 und 2014 die Zahl der Personen, die sich glutenfrei ernähren. Im gleichen Zeitraum blieb die Zahl der Personen, bei denen eine glutensensitive Enteropathie beziehungsweise Zöliakie diagnostiziert wurde weitgehend konstant und betrug circa
0,7 % der Gesamtbevölkerung.

Bei der Zöliakie handelt es sich um eine autoimmun vermittelte Erkrankung, bei der eine Unverträglichkeit gegenüber, dem in vielen Getreidesorten vorkommenden, Gluten besteht. Der Verzehr bereits kleiner Mengen führt zu einer chronischen Entzündung der Dünndarmschleimhaut und kann sie im Verlauf dauerhaft schädigen. Die Störung der Dünndarmfunktion führt zu den üblichen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und einem Gewichtsverlust. Darüber hinaus können Depressionen und Gedeihstörungen im Kindesalter auftreten. Eine unbehandelte Zöliakie scheint zudem das Risiko für einige Tumorarten zu erhöhen. Bevor die Diagnose sicher gestellt werden kann, ist eine Dünndarmbiopsie mit einem krankheitsspezifischen Befund erforderlich.

Aktuell steht noch keine kausale Therapie zur Verfügung. Aus diesem Grund beschränken sich die Maßnahmen lediglich auf einen lebenslangen Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel. Der Einfluss einer glutenfreien Diät ist Bestandteil aktueller Forschung. So konnte eine kürzlich veröffentlichte Studie keine Korrelation zwischen dem Verzehr glutenhaltiger Lebensmittel und einem oft propagierten höheren Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen nachweisen. Ferner könnte sich eine glutenfreie Diät durch den Verzicht auf Vollkornprodukte eher negativ auf die Herzgesundheit auswirken. Entgegen der öffentlichen Meinung sind viele glutenfreie Produkte nicht gesünder. Im Gegenteil zeichnen sie sich häufig durch höhere Fett- und Kalorienmengen sowie einem geringeren Protein und Nährstoffgehalt aus.

Während eine glutenfreie Diät für Zöliakiepatienten unverzichtbar ist, wird sie gesunden Personen aktuell nicht empfohlen, da Vollkornprodukte Teil einer gesunden und ausgewogenen Ernährung sind. Der oft beworbene positive Gesundheitseffekt einer glutenfreien Ernährung konnte zudem bei Gesunden noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden.

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